Wahlkreis = diverser Wirtschaftsstandort

Mein Wahlkreis ist auch Wirtschaftsstandort. Zusammen mit Felix Herkens MdL, Sprecher für Arbeitsmarktpolitik der Grünen Landtagsfraktion und AK-Vorsitzender Wirtschaft, Arbeit und Tourismus, aus Pforzheim durfte ich Gespräche mit dem Betriebsratsvorsitzenden einer typischen Hightech- und Weltfirma im östlichen Kreisgebiet führen, ein Bio-Restaurant in Deggenhausertal in der ländlich geprägten Mitte des Wahlkreises besuchen und am Nachmittag ein echtes Vorzeigeunternehmen im westlichen Kreisgebiet, das zu den Öko-Pionieren zählt und ganz besonders für Nachhaltigkeit steht. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass mich Felix begleitet hat, und bei unseren Gesprächen den Part der Landespolitik übernommen und Anregungen aufgenommen hat.

Raumfahrtbranche im Bodenseekreis

In der „Grünen Insel“ in Friedrichshafen haben wir uns am Vormittag mit Christian Birkhofer, Betriebsratsvorsitzender Airbus Defence and Space GmbH Friedrichshafen, zusammengesetzt. Der Bodenseekreis gehört in der Luft- und Raumfahrt zu den Top 5 der deutschen Schwerpunktregionen. Jeder zweite baden-württembergische Arbeitsplatz in der Branche ist im Bodenseekreis. Über 8.200 Beschäftigte sind hier in den rund 110 Unternehmen dieser Zukunftsbranche beschäftigt. Die Raumfahrt spielt – was jetzt angesichts der dramatischen Klimaveränderungen und zunehmenden Extremwetterereignissen immer wichtiger wird – eine unverzichtbare Rolle bei der Erd- und Klimabeobachtung. Vom Weltraum aus lassen sich Treibhausgasentwicklungen in der Atmosphäre, die konkreten Auswirkungen des Klimawandels auf Gletscher, Seen und Wüsten, Waldbrände und Wetterphänomene beobachten und untersuchen und wichtige Daten gewinnen. Die große Sorge des Betriebsratsvorsitzenden Airbus Defence and Space GmbH Friedrichshafen ist es, auch in Zukunft den Standort attraktiv für sehr gut qualifizierte junge Hochschulabsolvent*innen zu halten oder erst noch zu machen. Aus seiner Sicht fehlt am See ein Hightech Studiengang und die direkte Verbindung zwischen den Weltunternehmen und einer Hochschule. Viele Nachwuchswissenschaftler*innen blieben zunächst lieber in Stuttgart oder München. Er wünscht sich, dass sich – neben den bereits bestehenden Hochschulen – eine renommierte Universität im Bodenseekreis engagiert und einen Lehrstuhl oder Fachbereich in den Kreis auslagert.

Bio-Gastronomie in Deggenhausertal

Die Zukunft der Gastronomie und Perspektiven der Branche nach der Corona Krise standen beim Austausch mit Christine Steidle, Vorsitzende FG Gastronomie der DEHOGA Bodenseekreis, im Gasthaus Sternen in Deggenhausertal im Mittelpunkt. Christine Steidle schilderte wie es der Familienbetrieb durch die Pandemie geschafft hat. Ein Problem war, dass der Betrieb seine Mitarbeiter*innen während des Lockdowns in Kurzarbeit schicken musste. Viele Fachkräfte suchten sich darauf hin eine neue Arbeit in einer anderen Branche und fehlen jetzt, nachdem die Gäste zurückgekehrt sind. Seit dem Frühjahr arbeitet das Gasthaus Sternen an seiner Kapazitätsgrenze. Profitiert hat das Bio-Restaurant, das zweigleisig fährt, in diesem Jahr vor allem von Familienfeiern. Zweites Standbein des Sternen ist neben dem Betrieb im Gasthaus die Außerhausverpflegung von Kindern. Aus der Sternen Küche kommt Bioessen für Kindergärten und Schulen. Während des Lockdowns blieben dann aber auch Schulen und Kindertagesstätten geschlossen und angeboten wurde nur noch Notbetreuung. Die Außerhausverpflegung fand nicht mehr statt. Die größte Sorge von Christine Steidle ist es, dass im Herbst aufgrund der sich ändernden Coronana Lage möglicherweise wieder Tests nötig sein könnten, wenn die Infektionszahlen steigen. Tests halten – so die Erfahrung der Gastronomin – nicht nur Gäste ab, sie sind auch ein erheblicher Aufwand für einen gastronomischen Betrieb, wenn es selbst Testangebote machen soll. Deswegen hofft Christine Steidle, dass kommunale Testzentren, wenn nötig, im Herbst Test anbieten. Ein weiterer Shutdown wäre für die Gastronomin, die aufgrund der Pandemie drastische Umsatzeinbußen verkraften musste, nicht vorstellbar.

Nachhaltigkeit, CO2-Neutralität und Kreislaufwirtschaft bei BODAN

Seit über 30 Jahren versorgt BODAN Großhandel für Naturkost GmbH selbstständige Hof- und Naturkostläden mit Bio-Waren – von frischem Obst und Gemüse über Fleisch-, Käse- und Molkereiprodukten bis hin zu Kosmetik. Das Unternehmen mit Sitz in Überlingen setzt auf Nachhaltigkeit und ist damit erfolgreich. Als Agrarpolitikerin und Bäuerin finde ich es zukunftsweisend wie BODAN sich ganz gezielt für die Vermarktung regionaler Produkte einsetzt und mit Landwirt*innen in der Region zusammenarbeitet. Ich habe mich schon deshalb sehr auf den Austausch in Überlingen und Besuch des Unternehmens gefreut, das natürlich auch ganz besonders für Grüne Logistik, Nachhaltigkeit und Gemeinwohl steht. BODAN hat eine eigene Logistik aufgebaut, um die Lebensmittel mit den eigenen Kühllastwagen CO2 möglichst neutral transportieren zu können. Um den trotzdem verursachten CO2 Fußabdruck auszugleichen, unterstützt das Unternehmen den Humusaufbau. Durch Bodenaufbau wird CO2 gebunden. Außerdem setzt BODAN auf Mehrwegkisten und auch bei Verpackungen auf Keislaufsysteme.

Vorbildlich ist das Engagement von BODAN für ganz unterschiedliche Projekte. Das Unternehmen engagiert sich für Saatgutzüchtungen genauso wie für Bruderhähne oder setzt sich für die regionale Aufzucht von Bullenkälbern ein. Das Futter für die Kälber, die sonst zum Beispiel in Spanien gemästet würden, stammt von hier und das Fleisch wir vor Ort vermarktet. Auch hier ist das Unternehmen mit Kreislaufwirtschaft erfolgreich. Das Foto ist beim Gespräch im Naschgarten mit Kräutern und Beeren entstanden.

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