Ich möchte wissenschaftliche Studie über Kormorane

Mit dem Berufsfischer Andreas Geiger durfte ich den Bodensee einen Nachmittag und Abend lang aus der Perspektive eines Bodenseefischers erleben. Wir hatten einen sehr intensiven Austausch schon am Nachmittag, als wir auf dem See hinausgefahren sind, und später bei einem Hafengespräch im Privathafen der Fischerei Geiger in Unteruhldingen. Nach unserem Treffen denke ich, dass eine wissenschaftliche Studie über Kormorane allen Beteiligten weiterhelfen könnte. Momentan verläuft die Konfliktlinie zwischen Naturschützern und Berufsfischern, ohne dass wesentliche Argumente wissenschaftlich belegt sind.

Aktuell gibt es etwa 600 Kormoran Brutpaare am Bodensee. Während der Pandemie habe ich gelernt, dass wir in der Regel zu den besten Lösungen kommen, wenn wir auf Basis wissenschaftlicher Fakten entscheiden. Am Bodensee kommt es darauf an, dass die Kreisläufe intakt sind.

Darüber wie sich die Kormoran Population auf die Fischbestände im See, zum Beispiel auf die gefährdete Äsche, oder die Brotfische auswirkt und ob ein Kormoran Management geboten ist, gibt es bei Naturschützern und und Berufsfischern unterschiedliche Meinungen. Fischermeister Andreas Geiger, den ich beim Auslegen der Netze auf dem See begleiten durfte, schilderte die Situation aus Sicht der Berufsfischer. Die Kormorane greifen sogar Fische in den Netzen an. Selbst Vergrämungsaktionen und genehmigte Abschüsse hatten bisher keinen großen Einfluss auf die Population des Kormorans. Fast jede Art hat natürliche Feinde, die den Bestand beeinflussen. Am Bodensee fehlen diese Feinde des Kormorans. Ich sehe eine ganz ähnliche Problematik wie bei den Bibern.

Wenn eine Regulierung notwendig ist, müssen wir eingreifen, prüfen ob sich mit einem international abgestimmten Kormoran-Management rund um den See, wie es auch die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) fordert, Effekte erzielen lassen. Ich verweise auch auch auf eine angekündigte Vorstudie der grün-geführten Landesregierung. Das könnte uns schon einen Schritt weiterbringen.


Klären möchte ich auch, inwieweit rückläufige Erträge der Berufsfischer auf geringeren Nährstoffeinträge durch eine bessere Gewässerreinhaltung oder auf die Vermehrung zum Beispiel des Nahrungskonkurrenten Quaggamuschel zurückzuführen sind, weil es dadurch weniger Plankton und damit Fischnahrung im See gibt. Nötig sind auch evidenzbasierte Aussagen darüber, worauf der Rückgang der Äsche genau zurückzuführen ist und wie sich der Lebensraum der bedrohten Fischart verändert haben könnte. Wir müssen darauf achten, dass die Kreisläufe, auch die Nahrungsmittelkreisläufe im Bodensee intakt bleiben oder sie wieder in die Balance bringen.

Einig ich mir Andreas Geiger in der ablehnenden Haltung zur Aquakultur. Massentierhaltung im See lehnen wir beide strikt ab. Nicht lückenlos vermeidbarer Kontakt von gemästeten Fischen in Aquakultur und Wildfischen könnte die Gesundheit der Felchen im Bodensee gefährden. Die Mastfische, die aus beschädigten Netzgehegen entkommen, könnten Wildfische mit Krankheitserregern infizieren. Abschreckendes Beispiel ist der Lachs.

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