Hört endlich auf zu mauern!

Wir müssen das Höfesterben stoppen! Selbst in Zeiten von höheren Milcherzeugerpreisen können Bäuer*innen die Kosten der Milcherzeugung nicht einmal mehr annähernd decken. Seit Jahren gibt es schon eine Unterdeckung von 30 Prozent und mehr. Das halten unsere Betriebe auf Dauer nicht aus. Hauptursache für diese Situation ist die Ausrichtung der Agrarpolitik. Vorrangig unterstützt die falsche Agrarpolitik das alte System, bei dem es nur darum zu gehen scheint, die Verarbeitungs- und Ernährungsindustrie mit „billigen Rohstoffen“ zu versorgen. Player sind in diesem Spiel auch die Molkereien. Politik und Molkereien mauern. Deswegen versammelten sich zuletzt mehrere hundert Bäurer*innen mit ihren Traktoren vor der Hochland Molkerei, um gegen dieses System zu protestieren.

Schluss mit dem Mauern! Das war das Motto einer bundesweiten Aktion heute Vormittag. Zusammen mit mehreren hundert Milchbäuer*innen habe ich heute vor der Molkerei Hochland in Heimenkirch im Kreis Lindau gegen die viel zu niedrigen Milchpreise und für die Zukunft der Landwirtschaft demonstriert. Denn so könnten wir nicht weitermachen! Sichtbares Zeichen des Protests war der Bau einer hohen Mauer aus Ziegelsteinen. Die imposante Mauer sollte Sinnbild für das Handeln der Molkereien sein, die bei den Milchpreisen mauern. Seit Jahren schon können Milchbäuer*innen nicht einmal mehr ihre Produktionskosten decken. Auch in Zeiten von höheren Milcherzeugerpreisen war es nicht anders. Das halten unsere bäuerlichen Betriebe auf Dauer nicht aus. Die Höfe sind der Marktmacht der Molkereien und des Handels ausgeliefert. Immer wieder kommt es dann auch noch zu schweren Marktkrisen mit noch größeren Verlusten für die Landwirtschaft. Ähnlich ist die Situation beim Fleisch. Hauptursache ist die falsche Ausrichtung der Agrarpolitik. Noch immer geht es nur darum, die Verarbeitungs- und Ernährungsindustrie mit billigen Rohstoffen, das heißt billiger Milch und billigem Fleisch zu versorgen. Klimakosten oder eine faire Entlohnung der Bäuer*innen, die mit ihren Höfen zum Erhalt der Biodiversität beitragen, spielen keine Rolle. Auf politischer Ebene wird regelrecht gemauert! Die Molkereiwirtschaft ist ein wichtiger Player, sie profitiert vom System und macht satte Gewinne. Molkereien setzen auf Masse und niedrige Preise, damit sie beim Export mithalten können. So geht das nicht weiter! Für eine zukunftsfähige Agrarpolitik braucht es dringend eine zukunftsfähige Marktpolitik mit fairen Regeln für alle! Schluss mit mauern! Was mich am meisten ärgert, ist die Vorstellung, was wir erreichen könnten, wenn die Molkereiwirtschaft tatsächlich den Bäuer*innen an einem Strang ziehen würde! Das habe ich heute so auch als Kundgebungsrednerin gesagt. Gesprochen habe ich als Bäuerin für die AbL. An dem Protest beteiligt haben sich mehrere hundert Landwirte. Viele sind – wie ich auch – mit Traktoren gekommen. Zu der Aktion aufgerufen haben die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und der Bund deutscher Milchviehhalter (BDM).

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