Fachpolitischer Austausch auf dem Markgräflich Badischen Gutsbetrieb: Regenerative Landwirtschaft bringt Bodenleben zurück

Wiesen und Äcker prägen die Kulturlandschaft des Linzgaus. Als Agrarpolitikerin treibt mich, wenn ich so wie in dieser Woche rund um Salem unterwegs bin, die Frage um, wie sich die Landwirtschaft in meinem Wahlkreis bestmöglich für die Zukunft aufstellen kann. Der Markgräflich Badische Gutsbetrieb macht es vor und geht seit zwei Jahren einen neuen Weg. Er ist seit diesem Jahr Naturlandbetrieb. Mit Prinz Michael von Baden, Verwalter Roman Strasser und Landwirtschaftsreferentin Dr. Nicola Gindele habe ich auf dem Stefansfelder Hof über die Erfahrungen in der Umstellphase, Hürden und Erwartungen an die Politik sprechen dürfen. Es war ein sehr inspirierender Austausch. Zum Gespräch dazu gestoßen ist auch Petra Karg, Mitglied der grünen Gemeinderatsfraktion und stellvertretende Bürgermeisterin von Salem.

Wir haben uns alle miteinander viel Zeit, auch um einander zuzuhören, genommen und ein sehr spannendes Gespräch geführt. Der Markgräflich Badische Gutsbetrieb ist den Weg der Umstellung gegangen, weil der markgräflichen Familie Nachhaltigkeit am Herzen liegt. Der Betrieb ist jetzt ein Naturlandhof. Naturland zählt neben Demeter und Bioland zu den drei größten ökologischen Anbauverbänden, die nach strengeren Richtlinien wirtschaften als die EU vorgibt.

Durch die ökologische Bewirtschaftungsweise will der Markgräflich Badische Gutsbetrieb auch den Boden, der Voraussetzung für gute Ernten ist, verbessern, und langfristig für kommende Generationen erhalten. Um dies zu erreichen, setzt der Betrieb nicht nur auf Bioanbau, sondern orientiert sich auch an der Bewirtschaftungsweise der regenerativen Landwirtschaft.

Leider heißt Biobetrieb – darin waren wir uns von Anfang an einig – noch nicht nachhaltige Wirtschaftsweise. Es gibt große Biomonokulturen, die wahrscheinlich weniger zum Erhalt der Biodiversität und Böden beitragen als klein strukturierte konventionelle Landwirtschaft.

Regenerative Landwirtschaft, wie sie der Markgräflich Badische Gutsbetrieb betreibt, ist nachhaltig. Der Betrieb hat in den vergangenen zwei Jahren systematisch damit begonnen, die Bodenqualität zu verbessern und Humus aufzubauen. Das Projekt Bodenaufbau ist noch lange nicht abgeschlossen. Prinz Michael und Nicola Gindele berichteten aber von ersten Erfolgen. Auf den Äckern des Gutsbetriebs gibt es wieder mehr Insekten und Vögel. Zurück sind auch die Marienkäfer, Fressfeinde von Läusen. Die Natur ist wieder im Gleichgewicht. Zudem kann ein humusreicher Boden Wasser und Nährstoffe besser speichern. Bei Extremwetterlagen profitieren die Salemer schon jetzt davon.

Die Herausforderungen sind gewaltig. Jedes Jahr ist anders. Auf Dürrejahre folgte das Regenjahr 2021. Eine der großen Fragen lautet, welche Sorten passen am besten nach Salem. Auch bei Nutzpflanzen wie Feldfrüchten schwinden die Arten.

Ein Label für Produkte aus regenerativer Landwirtschaft gibt es nicht. Die Endverbraucher wissen deswegen eher nicht, welchen Beitrag ein Betrieb zum Bodenaufbau leistet und dass beim Humusaufbau klimaschädliches CO2 gebunden wird. Bioprodukte hingegen können Verbraucher*innen identifizieren.

Prinz Michael schilderte die Phase der Umstellung, die trotz Förderungen für den Gutsbetrieb wirtschaftlich sehr schwierig gewesen ist – ohne Förderung oder wenn der Gutsbetrieb einzige Einnahmequelle wäre, wäre die Umstellung wohl gar nicht machbar gewesen. Der Weg ist immer noch steinig und ein großer Stein ist die Bürokratie.

Mitgenommen habe ich als Fachpolitikerin auch, dass zu strikte Vorgaben wie beim Agroforesting oft bremsen. Verwalter und Bauern, die gute Ideen haben, brauchen Freiräume, um auch etwas auszuprobieren. Es muss wirtschaftlich sein, wenn Betriebe das Richtige tun, fordert Prinz Michael außerdem. Hier bin ich als Bäuerin ganz bei Prinz Michael. Die Politik gibt den Rahmen vor. Und wenn Nicola Gindele sagt, dass so gesund wie der Boden das ist, was darauf wächst, kann ich ihr nur zustimmen. Der Ansatz, Landwirtschaftspolitik von der Ernährungswende her zu denken ist richtig.

Sehr gern möchte ich das anregende Gespräch mit Prinz Michael von Baden, Verwalter Roman Strasser und Nicola Gindele fortsetzen, wenn ich in der neuen Legislatur hoffentlich Landwirtschaftspolitik in Berlin machen darf. Der Austausch mit innovativen Menschen ist Voraussetzung, um die richtige Politik machen zu können.

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