Ernährungswende

Organic food. Vegetables in an old box. On a rustic background.

Um all die Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) zu erreichen, die mit Ernährung und Landwirtschaft, mit Klimawandel, sauberem Wasser, Biodiversität oder Gesundheit zu tun haben, brauchen wir neben eine Agrarwende dringend auch eine Ernährungswende. Doch einfach nur einen Bio-Anteil bei der landwirtschaftlichen Produktion festzulegen, reicht bei weitem nicht aus. 

Was wir brauchen ist eine Qualitätsoffensive vom Acker bis zum Teller, damit wir gesunde Lebensmittel produzieren und dabei die planetaren Grenzen nicht überschreiten! Wir müssen unser Ernährungs- und Agrarsystem Schritt für Schritt in eine qualitativ hochwertige, umweltschonende und sozial gerechte Wertschöpfungskette umwandeln. Das benötigt gute politische Rahmenbedingungen und Beratung. Ernährungsräte, Ökomodellregionen oder Biostadtinitiativen entstehen überall:

Wir müssen sie unterstützen, vernetzen und weiterentwickeln.
Die wichtigsten Ansatzpunkte sind:

  • Regionale Wertschöpfungsketten: Nachhaltig und transparent für Verbraucher*innen können so Wirtschaftsstrukturen vor Ort aufgebaut werden, die Arbeitsplätze bieten. Sie sind unabhängig von Futtermittel aus Übersee oder internationalen Märkten und haben kurze Transportwege. Produzent*innen und Konsument*innen verschwinden nicht in der Anonymität.
  • Ernährungsbildung, aber auch das Ernährungsumfeld spielen für das Gelingen einer Ernährungswende eine große Rolle. Das Wissen über gesunde Ernährung, frisches Zubereiten und gesunde Lebensmittel ist in Zeiten von Fastfood und Fertiggerichten in den Hintergrund geraten. Dazu kommt noch irreführende Werbung. Ernährungsbildungsangebote für alle Altersstufen sind genauso wichtig wie eine klare und einfache Kennzeichnung, z.B. Nutri-Score.
  • Außer-Haus-Verpflegung – Gemeinschaftsverpflegung nutzen heute ungefähr 15 Millionen Personen täglich. Zur Außer-Haus-Verpflegung gehören Schul- und Mensaküchen, Kindertagesstätten, Betriebskantinen, Krankenhäuser und noch viel mehr, sowie die Gastronomie. Hier brauchen wir neue Konzepte, frisch gekochtes Essen aus regionalen und saisonalen Lebensmittel, also gesundes Essen mit Vorbildfunktion.
  • Lebensmittelverlust und Lebensmittelverschwendung auf dem Weg von der Landwirtschaft bis zu unserem Teller macht allein bei uns in Deutschland 12 Millionen Tonnen jährlich aus. Mehr als die Hälfte davon (6,1 Million Tonnen) werfen wir in unseren Privathaushalten in die Abfalltonne! Das Mindesthaltbarkeitsdatum wird allzu oft als Verfallsdatum interpretiert, die krumme Möhre oder der fleckige Apfel werden schon zuvor aussortiert. In der Verarbeitung, im Handel oder in Großküchen wird standardisierte Ware verlangt. Geeignete Verpackungsgrößen, Möglichkeiten, selber abzupacken, Förderung von Tafelläden und Food Sharing Projekten gehören genauso zu einem guten Konzept wie das Wissen und die Kreativität, Lebensmittelreste wertzuschätzen. Das muss entlang der gesamten Wertschöpfungskettebesser funktionieren, damit wir Lebensmittel nicht mehr vernichten.

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