Besuch bei SAP Markdorf: Nachhaltigkeit braucht Preisschild

Jedes Mal, wenn ich ein Unternehmen in meinem Wahlkreis besuchen darf, das neue Pfade beschreitet, freue ich mich auf einen besonders spannenden Austausch. Denn neuen Unternehmensstrategien, die ihren Geschäftszweck und Nachhaltigkeit verbinden, gehört die Zukunft. Zero Waste Büros und soziale Skills wie geringe Mitarbeiter*innenfluktuation brauchen endlich Preisschilder. Ein Navigationssystem für werteorientierte Unternehmen ist QuartaVista. QuartaVista ist ein vom Bundesarbeitsministerium gefördertes Forschungsprojekt, dessen Umsetzung sich in Folge der Pandemie verzögert hat. Der Abschlussbericht steht noch aus. Sieben Partner, unter ihnen BODAN Großhandel für Naturkost in Überlingen und SAP, haben das Projekt QuartaVista umgesetzt. Zusammen mit Beate Müller-Gemmeke MdB, Sprecherin für Arbeitnehmer*innenrechte und aktive Arbeitsmarktpolitik der Bundestagsfraktion der Grünen, durfte ich mich bei SAP Markdorf über Erfahrungen mit QuartaVista austauschen.

Die Frage, ob sich eine hohe Frauenquote und gute Umweltstandards im Geschäftsbericht in Euro ausdrücken lassen, beantwortete uns SAP-Manager Reiner Bildmayer, der virtuell zugeschaltet war, mit einem klaren Ja. Vor Ort in Markdorf ausgetauscht haben wir uns mit Sabine Voss, die beim Projekt QuartaVista den Bereich Kommunikation geleitet hat, und Michael Mayer, Standortleiter SAP Markdorf und Leiter Softwarentwicklung für nachhaltige Produkte im Bereich Produktsicherheit und Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit. Alle drei haben sich intensiv mit der QuartaVista-Methodik beschäftigt und engagieren ich jetzt bei möglichen Folgeaktivitäten.

Bilanzen der Zukunft sollen außer reinen Geschäftszahlen auch erfassen, welchen Beitrag ein Unternehmen für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen und zum Beispiel für die Gesellschaft wie glückliche Mitarbeiter*innen leistet. Die Idee ist, dass sich Nachhaltigkeit in Geschäftsberichten in Euro ausdrückt. Soziale und arbeitsbezogene Faktoren haben die QuartaVista Projektpartner ermittelt und bewertet und in Kennzahlen zusammengefasst: Ein Faktor ist die Arbeitsqualität mit Krankenquote, Arbeitsunfallquote, Lohnspreizung und fairen Löhne in der niedrigsten Lohngruppe. Ein anderer Faktor ist der Wissenserhalt, Azubi-Quote, Azubi-Übernahmequote, Weiterbildungskosten und Mitarbeiterfluktuation. Einfließen sollten in eine neue Bilanz zum Beispiel auch die Frauenquote, Weiterbildungsmöglichkeiten oder die Umstellung auf Bio-Produkte in der Kantine., die in einen Geldwert übersetzt werden. Wir brauchen neue Maßeinheiten auch für glückliche Mitarbeiter*innen.

Ich wünsche mir, dass sich solche Ansätze wie sie Quarta Vista erprobt hat, durchsetzen. Denn nur, wenn nachhaltiges Wirtschaften auch finanzielle Vorteile bringt, werden immer mehr Unternehmen umsteigen. So funktioniert ja auch der CO2-Preis. Er schafft einen Anreiz, die Emissionen zu verringern. Unternehmer*innen und Manager möchten einen Beitrag zum Schutz des Klimas leisten, es fällt vielen Unternehmen aber leichter, wenn sich die Verringerung der Treibhausgasemissionen auch in Euro rechnet. Mehr über Quarta Vista findet ihr hier. Mit auf dem Foto Michael Mayer, Beate Müller-Gemmeke und Sabine Voss.

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