Agrarwende umsetzen – jetzt!

Verabredet war ich diese Woche auch mit Johannes Kretschmann, Bundestagskandidat für den Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen. Unsere Tour „Agrarwende umsetzen – jetzt!“ führte uns zuerst zu einem Milchbauern, dann zu einem Bio-Schweinestall und noch weiter zu einer Biogasanlage. Ins Gespräch gekommen sind wir mit Bäuer*innen vor Ort und später bei einer öffentlichen Veranstaltung in Laiz über die Landwirtschaft der Zukunft. Wir wollten in Erfahrung bringen, was die neue Bundesregierung tun muss, um die Ziele und Vorgaben der EU in Bezug auf den „Green Deal“ und die „Gemeinsame Agrarpolitik“ (GAP) so umzusetzen, dass wir die regionale Landwirtschaft stärken und sich den Höfe eine Perspektive eröffnet.

Zuerst besuchten wir einen Milchviehbetrieb, der auch Lernort Bauernhof ist. Die Bäuer*in investiert viel Zeit, um Schulkassen und Kita-Kindern für Agrar- und Ernährungsthemen zu sensibilisieren. Gut läuft es, wenn die Kindern ihren Eltern hinterher sagen, welche Milch sie kaufen sollen, bei uns nämlich die aus Baden-Württemberg oder Bayern. Milch aus der Region gibt es im Supermarkt nicht zu kaufen.

Wenn die Milchbauern mit ihren Betrieben weitermachen sollen, müssen sich die Höfe rechnen. Dazu benötigen sie auch die Hilfe der Politik. Wenn der Milchmarkt unter Druck gerät, braucht es – vereinfacht gesagt – einen Automatismus, der anspringt und verhindert, dass die Milchpreise ins Bodenlose weit unter die Produktionskosten fallen. Das geht in etwa so: Milchbäuer*innen müssen in einer Milchkrise ihre Produktion verringern können und einen Ausgleich erhalten. Ich unterstütze die Idee, einen Fonds aufzubauen, aus dem die Milcherzeuger*innen einen Ausgleich für entgangene Einnahmen bekommen können. Auch der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V. (BDM) denkt genau in diese Richtung.

Wenn wir einen neuen Gesellschaftsvertrag zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Verbraucher*innen schließen wollen, müssen – das wurde bei unserer Tour deutlich – auch die Verarbeiter*innen, die Molkereien mit an den Tisch. Während mittlerweile viel über den Einfluss der Verbraucher*innen, die Rolle des Handels und der Konzerne gesprochen wird, steht die Verarbeitung noch nicht im Fokus. Dabei machen zum Beispiel Molkereien die Preise. Darum ging es dann auch noch einmal später bei einer Diskussion im „Hasen“ in Laiz.

Unsere zweite Station war eine große Bio-Schweinehaltung mit 1000 Mastschweinen. Der Betrieb liefert an Edeka Südwest. Der Biolandwirt zeigte uns glückliche Schweine, die zum Wühlen, Schnüffeln und Spielen angeregt werden. Die Schweinemast wird wissenschaftlich begleitet und der Betrieb wurde auch schon mit EU Geld gefördert.

Dritte Station war eine Biogasanlage. Biogas ist in Verruf geraten, weil wir zuerst an Maismonokulturen denken und daran, dass es nicht richtig sein kann, dass Biogaserzeuger*innen mehr verdienen und anderen Landwirten, die nicht so viel verdienen, das Pachtland wegnehmen. Biogas ist aber ein Baustein der Energiewende. Wenn Windkrafträder und Photovoltaikanlagen wetterbedingt keinen oder zu wenig Strom liefern können, decken Biogasanlagen den Bedarf. Der Vorteil von Biogas ist, dass es gespeichert werden kann, und die Anlage genau dann Strom liefert, wenn er gebraucht wird. Wenn in der Biogasanlage nicht Strom aus Mais, sondern aus der Energiepflanze Silphie produziert wird, ist die Umweltbilanz deutlich besser.

Zum Abschluss ging es im „Hasen“ in Laiz dann noch einmal um alle großen Themen: Tierschutz, Pestizide, GAP und den Markt und die Verarbeitung. Landwirtschaftliche Produkte können heute fast nicht mehr in der Region verarbeitet werden, weil in den ländlichen Regionen die Verarbeiter*innen fehlen. Mühlen, Bäcker, Schlachthöfe und Metzger sind verschwunden.

Die Politik muss dafür sorgen, dass wieder regionale Verarbeitung entsteht. Dazu braucht es Augenmaß. In kleinen Metzgereien könnten andere Arbeitsschutz- oder Hygieneregeln gelten als in großen industriellen Schlachtbetrieben. Richtig ist, dass die Agrarpolitik in Brüssel gemacht wird, die Nationalstaaten können aber über den Agrarminister*innenrat Einfluss nehmen. Wenn wir Grüne ein Mandat bekommen, werden wir genau das tun.

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