Agrarökologie / Agrarwende

Um eine Agrarwende zu erreichen, müssen wir neu denken und neue Strategien für Ackerbau und Tierhaltung aber auch für Verarbeitung und Vermarktung entwickeln. Wir habe eine gute Idee! Den Game Changer gibt es schon: Agrarökologie ist ein systemischer Ansatz, der sich aus wissenschaftlicher Disziplin, landwirtschaftlicher Praxis und sozialen Bewegungen zusammensetzt. Ziel ist ein holistischer Wandel hin zu einem neuen Ernährungssystem.

Gearbeitet wird hier in der Agrarökologie nach Prinzipien, die sich durch folgende Merkmale auszeichnen:

  • Agrarökologie wirbt für Prinzipien, nicht für feste Regeln oder Rezepturen für einen Übergangsprozess.
  • Agrarökologie ist das Ergebnis der gemeinsamen Anwendung dieser Prinzipien und der zugrundeliegenden Werte bei der Ausgestaltung alternativer Agrar- und Ernährungssysteme. Daher wird anerkannt, dass die Anwendung der Prinzipien schrittweise erfolgt.
  • Die Prinzipien sind ortsunabhängig gültig und münden in verschiedene Praktiken, je nachdem an welchem Ort und in welchem Kontext sie zum Einsatz kommen. Alle Prinzipien sind vor dem Hintergrund eines Lebens im Einklang mit der Natur sowie eines gerechten und würdevollen Umgangs mit Mensch, Tier, Natur und Fortschritt auszulegen.

Ziel ist es, die ökologische, die ökonomische und die soziale, kulturelle Dimension in Einklang zu bringen. Alle Dimensionen stehen gleichwertig nebeneinander.

Ein Hauptunterschied zum Biolandbau liegt gerade in diesen Prinzipien, die ein Leitfaden sind, aus dem vor Ort passende Systeme entwickelt werden können. Der Biolandbau hingegen hat klare Regeln, Gesetzesvorgaben und ist zertifiziert.

Weltweit soll die Landwirtschaft den Klimawandel nicht länger anheizen, sich an dessen Folgen anpassen, den bedrohlichen Verlust von Biodiversität auf landwirtschaftlichen Flächen stoppen und gleichzeitig eine wachsende Bevölkerung ernähren.

Für alle diese Herausforderungen kann die Agrarökologie eine bedeutende Rolle spielen. Denn sie versucht, Lösungsansätze für alle Formen von Landwirtschaft zu bieten, ob konventionell, integriert oder biologisch.

Immer mehr Institutionen auf internationaler Ebene beschäftigen sich mit nachhaltiger Landwirtschaft und Agrarökologie. Unter dem Dach der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) haben sich mehrere Staaten zu „Friends of Agroecology“ zusammengeschlossen. Viele Experten sind sich einig, dass
das Modell der Agrarökologie genügend Nahrung produziert, um unsere Weltbevölkerung gesund zu ernähren. Jetzt gilt es, dieses Wissen endlich durch politische und gesellschaftliche Unterstützung in der Praxis umzusetzen. 


​Mehr zum Thema: 
Eine Begriffserklärung von mir bei agronauten.net
Erkenntnisse des Weltagrarberichts
Agrar Koordination, Forum für internationale Agrarpolitik
Positionspapier „Agrarökologie stärken“
Artikel zur Agrarökologie bei der Welthungerhilfe

Teilen